12.07.2018

Aus der Kraft des Solidarischen: Spar- und Bauverein erwirtschaftet „Stadtrendite“

Vorstand und Aufsichtsrat werteten dies als Zeichen großer Kontinuität: In diesem Jahr feiert der Spar- und Bauverein Paderborn eG den 125. Jahrestag seiner Gründung. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Hubert Böddeker, betonte die große Beständigkeit, die die Geschichte des Spar- und Bauvereins Paderborn auszeichne. Ein Unternehmen, das über lange Zeit so erfolgreich sei, „muss gelernt haben, mit der Zeit zu gehen“, sagte Böddeker. Der Spar- und Bauverein sei als „Big Player“ im Immobilienmarkt für die Region unverzichtbar. Seit 125 Jahren übernehme die Genossenschaft generationsübergreifende und nachhaltige Investitionen im Bereich der Wohnungswirtschaft, des Städtebaus und der Infrastruktur.  „125 Jahre Spar- und Bauverein haben gezeigt, dass das Unternehmen allzeit innovativ war, ohne die traditionellen Werte aus den Augen zu verlieren.“

Vorstandsprecher Thorsten Mertens analysierte und bewertete in seinem Lagebericht den aktuellen Paderborner Wohnungsmarkt. Im Gegensatz zu vielen Metropolen und Universitätsstädten sei in Paderborn die Mietpreisbelastung seit Jahren nicht gestiegen. „Die Probleme von München, Hamburg, Berlin sind eben nicht die Probleme von Paderborn“, sagte Thorsten Mertens. Die wohnungs- und stadtentwicklungspolitischen Perspektiven seien im Kreis und in der Stadt Paderborn deutlich positiver als in den immobilienwirtschaftlichen Hotspots Deutschlands. 

Der für die Gesamtmiete aufzubringende Budgetanteil der Paderborner Haushalte liegt unter der Grenze von 30 Prozent, die allgemein für bedenklich gehalten wird, betonte Mertens. Das gilt vor allem für die Mieter und Mitglieder des Spar- und Bauvereins Paderborn.  5,17 Euro zahlen sie je Quadratmeter. Das ist deutlich weniger als die Paderborner Durchschnittsmiete.

Der Vorstandssprecher kritisierte in diesem Zusammenhang die immobilienwirtschaftlichen Prognosen, die auch im Kreis Paderborn „überhöhte Erwartungen“ geweckt hätten. „Nicht nur ich, sondern diverse Bauträger und Makler halten ein wenig Zurückhaltung bei der teilweise sehr ausgeprägten Wachstumseuphorie für durchaus geboten.“

Zudem falle es Investoren auch in Paderborn „bereits seit längerem zunehmend schwer, preisgünstigen Wohnraum zu erstellen“, betonte Mertens. Die Immobilienbranche leide unter hohen Kosten: „Preistreiber sind zum einen die Baukosten, zu anderen die öffentlichen Abgaben.“

Der Vorstandssprecher des Spar- und Bauvereins ging auf ein anderes aktuelles Paderborner Immobilienthema ein. „Sozialpolitisch gut gemeinte Quotierungen“ hätten in einigen Großstädten bereits dazu geführt, dass Investoren über den frei finanzierten Wohnungsbau die Quote für die Sozialwohnungen finanzieren. Die Folge sind deutliche Kauf- und Mietpreissteigerungen und eine Vergrößerung des höherpreisigen Wohnungssegments. Für Mieter, die keinen Wohnberechtigungsschein erhalten, gestaltet sich die Wohnungssuche also schwieriger. Zudem müssen sie mehr für ihre frei finanzierte Wohnung bezahlen.

Die Quotierung fördere die soziale Konzentration homogener Bevölkerungsgruppen in separierten Wohnvierteln. „Soziale Mischung in den Wohnvierteln ist aber wichtig, um die Wohngebiete zu stabilisieren“, betonte Thorsten Mertens.

Auf kommunalen Grundstücken seit die Quotierung des geförderten Wohnungsbaus „durchaus akzeptabel“. Die betreffenden Grundstücke sollten jedoch nicht zu Höchst- oder Marktpreisen verkauft werden: „Die Gegenleistung zu öffentlich geförderten Wohnungen muss ein deutlich reduzierter Grundstückspreis sein.“

Das gute und sozialverträgliche Wohnen hatten 1893, vor 125 Jahren, die 86 Eisenbahner im Sinn, als sie die Genossenschaft „Spar und Bauverein Paderborn“ gründeten. Bis heute erwirtschaftet der Spar- und Bauverein mit Stadt- und Quartiersentwicklung, Stadtumbau, Mietenstabilität und vielfältigen sozialen Leistungen eine „Stadtrendite“. Die Genossenschaft leistet damit jetzt schon, so Thorsten Mertens, „was die Befürworter einer neu zu gründenden Wohnungsbaugesellschaft sozialromantisch und kostengünstig erhoffen.“

Wie seit den Anfängen des Spar- und Bauvereins in der Kaiserzeit bleibt die Realisierung von „sozial- und heute auch umweltverträglichem Wohnungsbau mit solider Architektur für einen breiten Kundenkreis“ das Ziel der Wohnungsbaugenossenschaft. Thorsten Mertens betonte, als größter Akteur auf dem heimischen Wohnungsmarkt habe der Spar- und Bauverein schon immer mietpreisbremsend und damit sozial ausgleichend auf dem Paderborner Wohnungsmarkt gewirkt.

Wie nachhaltig die Genossenschaft arbeitet, zeigten Objekte wie das erste Gebäude der Genossenschaft, das 1894 an Franz-Egon-Straße fertiggestellt wurde und bis heute im renovierten Zustand ein nachgefragtes Mietobjekt ist.

Das sei ein Zeichen der großen Kontinuität, sagte Mertens. „Viele unserer heutigen Ideen sind im Kern schon vor vielen Jahren entstanden. Man muss das Solidarische erleben, um zu wissen, was es heißt. Sonst versteht man nicht, welche Kraft in ihm steckt.“ Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit sei die Basis für den Erfolg der Genossenschaft: „Der Spar und Bauverein ist nach 125 Jahren robust genug für die Zukunft.“

Das Jahr 2017 auf einen Blick

Der Spar- und Bauverein Paderborn eG hat das Wirtschaftsjahr 2017 mit einem „erfreulichen Ergebnis“ abgeschlossen, sagte Vorstandsmitglied Hermann Loges. Die Umsatzerlöse stiegen auf 16,8 Millionen Euro. 10 Millionen Euro wurden in den Objektbestand investiert, davon weit über die Hälfte in den Neubau. Das Ergebnis nach Steuern liegt mit 3,2 Millionen Euro deutlich über dem Planergebnis. Die Eigenkapitalquote betrug 61,6 Prozent, die Bilanzsumme 127,6 Millionen Euro.

Ende 2017 betrug der Wohnungsbestand der Genossenschaft 2846 Wohnungen, die Zahl der Mitglieder stieg auf 5490.

Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurden Hubert Böddeker (3.v.li.), Paul Knocke (li.) und Dr. Ernst Warsitz (re.) in den Aufsichtsrat des Spar- und Bauvereins Paderborn wiedergewählt. Vorstandssprecher Thorsten Mertens (2.v.re.) und Vorstandsmitglied Hermann Loges (2.v.li.) erläuterten den Lagebericht für das Jahr 2017. © Flüter | Spar- und Bauverein Paderborn eG